Band

Krieg den Schubladen, Friede der Musik!
 
Ein Haus, ein Springbrunnen mit klarem Quellwasser und ein Grammo-, nein Saxophon.
 
Liebe Freunde der Staatsoper, Geeks and Geezers, Hocker und Tänzer, hier ist sie: 
 
HILDEGARD LERNT FLIEGEN!
 
 
 
 
 
 
 
Nehmt eine Sechzehntelnote von ihrem narkotischen Protranspirans und seht, wo das Wort MUSIK seinen Ursprung hat. Ausgeschrieben heisst es nämlich nicht: Mega Untighte Sinologen Im Kongo, sondern Morgen Unbedingt Selbst Ins Konzert.
 
Denn: Wer diese Band live gesehen hat, vergisst  komplett, wie das mit Bach, Miles und AC/DC war und sieht, schnüffelt, spürt, wofür all diese Töne, die Blech, Felle, Holz und harter Gaumen so machen, gut sind: nämlich die Lebenden und Toten zu feiern in allen Farben und Zählzeiten. Meine Damen und Begleiter! Nehmt Beile mit für eure Stühle! Vom ersten Ton an ist alles erlaubt, wenn the one and only Hildi auf den Brettern, die die Welt bedeuten, fliegen lernt.
 
Andreas Schaerer muss um die 20 gewesen sein, als ihm seineMusik plötzlich, nachdem er jahrelang den Horizont nach ihr abgesucht hatte, die Tür eintrat wie eine Horde Wikinger. Und so merkte denn der junge Mann aus dem Emmental, dass er nicht etwa als klassischer Soul/Jazz- oder sonstwie-Sänger einer ihn begleitenden Band vorstehen und die üblichen Weisen von Freude und Leid, Liebe und Hüftsport intonieren wollte, sondern in einer Band spielen, als primus inter pares, unter Bläsern, Bass und Bum-tschak, mit seiner Stimme es ihnen gleichtun, ihnen vorausrennen und sie anspornen!
 
So entstand 2005 die Überjazz-Gruppe Hildegard Lernt Fliegen.
 
Gleich das erste Album, 2007 auf Unit Records erschienen, stopfte mit seinem freundlich diktatorischen Ansatz ein Loch in der Szene und ging weg wie Schmerzen. Hildegard rollte, flog, stolzierte quer durch Europa. Die Musik- und Tagespresse streute allerorten Reis und Löschpapierherzen (nachzulesen hier).
 
Illustriert wird die tolldreiste Reise seither von Comicurgestein Peter Baeder, der alle Alben, Plakate und Abziehbildchen der Band von schnöden Merchandise-Artikeln in Sammlerobjekte verwandelt.
 
2008 lüftete die Zürcher Kantonalbank das Geheimnis ihrer heimlichen Liebe und ehrte die Band  mit ihrem heiss begehrten Jazzpreis, den Hildegard, ohne lang zu fackeln, auf den Kopf und in Form ihres zweiten Albums  „Vom Fernen Kern Der Sache“ 2009 auf den Markt haute. 2010 versuchte die Band erstmals diesem fernen Kern in Russland (später auch in China) nachzuspüren. So entstanden der wunderschöne Tourfilm „Tales Wander“ von Michelle Brun und das von Martin Ruch in ehemaligen Sowjetsaunas und unterirdischen Bibliotheken aufgenommene Album „Live In Moscow“. Beide 2012 in der Wunderbox „Cinema Hildegard“ veröffentlicht.  2014 ist Hildegard noch immer nicht gezähmt, und tanzt wie eine Horde enthemmter Derwische zu „The Fundamental Rhythm Of Unpolished Brains“, inzwischen bei Enja Records unter Vertrag. Und auf der Suche nach einem passenden Bus für die immer weiteren Reisen kommt die Band mit einem Deutschen Autohändler in Kontakt, der ihnen zwar nicht das gewünschte Vehikel, jedoch den „BMW Welt Jazz Award“ 2014 beschert. 
 
So sind Hildegard Lernt Fliegen nun mangels Tourbus mit Diesellok, ausrangierten Krankenwagen und Fluggerät zwischen Tschechien, der Schweiz, Österreich, Deutschland, Slowenien, Estland, Litauen, Russland, Luxembourg, China, Italien, Finnland, England und insbesondere Frankreich, zu dem sie gerade ihre alte Liebe neu entdecken, unterwegs. 
 
 
Wer ist Hildegard? Ein Essay von Ziska Müller und Tobias Lambrecht, 2010.
 

 

Bandmitglieder

Andreas Schaerer ist die fleischgewordene Staatsoperette. Der Staat wurde 1976 im Emmental ausgerufen und schweigt seitdem nicht mehr stille. Was anderen als lästige Fliegen um den Hut schwirrt, fängt Andreas Schaerer ein und orchestriert es. Vom Garderobenpersonal zum Schnürmeister, vom Polsterer zur Bühnenfrau, vom Stellwerkbeleuchter über die Requisiteurin zum Chefdirigenten, alle entspringen seinem Hirn und landen im Mund.
Stimme

 

Andreas Tschopp ist ein Vogel im Posaunenpelz. Kurz nach seiner Geburt 1979 überholte er das Zürcher Tram rechts, nahm Paganini die Vorfahrt und trällerte mit einer Amsel im Duett. Wer ihn nicht liebt, liebt faulen Spinat. Er ist der sonnige Südpol der Band, bewahrt Ruhe in der Rush Hour und feiert Vogelhochzeit wenn alle schlafen gehen.
Posaune, Tuba
 

 
Benedikt Reising wurde 1978 in Basel geboren und hat seither so einiges an Rohren und Röhren, gebogenen Metallen und rostigem Instrumentarium angehäuft, das er mit Nonchalance und Eleganz auf der Bühne wieder ausbreitet. Mit einem Lächeln im Augenwinkel und einem Foxtrott in der Hosentasche spielt er das Bariton als wäre es eine Dinnerparty.
Bariton-, Alto-Saxophon, Bassklarinette


 

Christoph Steiner werkelt und produziert, spielt Schlagzeug, Schreib-maschine, Küchengeräte und was nicht niet- und nagelfest ist. 1980 hat er das Licht des Winterthurer Herbstes erblickt und ist seither von einer Geschäftigkeit, dass sich so mancher Zuschauer fragt, ob er während der Hildegardkonzerte noch einen Gemischtwarenhandel betreibt. Freilich einen, in dem selbst die schwindsüchtigste Maus eine P-Funk Party feiert.
Schlagzeug, Percussion, Marimba


Marco Müller 
spielt den Kontrabass nicht, er ist mit ihm verzwirbelt und verwachsen, ein buckliges Geknöt, das dampft und stampft, ein archaisches Wurzelgemüse, das groovt wie Santaclaus' Motorschlitten. 1980 auf dem Heuboden eines Fribourger Bauernhofes zur Welt gekommen, ist er der Atlas der Hildegard. Er trägt ihr Himmelsgewölbe auf seinen Schultern und bettet sie auf federndem Stroh. 
Kontrabass

 

Matthias Wenger ist Saxophonist und vollendeter Gentleman, der Schalk sitzt ihm im Nacken und auf der Schulter die Muse. 1979 trat er auf die Bühne der Welt und verdingte sich die ersten paar Jahre als Stehgeiger, so muss es gewesen sein. Er ist die Human Jukebox und ein Rumpelstilz sondergleichen.
Alt-, Sopran-Saxophon